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Pflegegrad im Ausland – Das musst du auf Lanzarote beachten

Die Entscheidung, nach Lanzarote auszuwandern, fühlt sich für dich wie ein Aufbruch in ein leichteres Leben an. Sonne auf der Haut, der Atlantik vor der Tür und ein Alltag, der ruhiger und freier ist. Es ist dein Traum von einem neuen Kapitel in deinem Leben. Fernab von all der Hektik, den Verpflichtungen und den Sorgen, die du mit Deutschland verbindest. Doch manchmal verändert sich das Leben leise und unerwartet. Pflegebedürftigkeit wird nicht länger zu einem abstrakten Thema, sondern rückt spürbar in den eigenen Alltag. Manchmal von einem Tag auf den anderen und manchmal eben schleichend langsam.

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Für dich auf Lanzarote entsteht eine besondere Situation solltest du plötzlich auf fremde Hilfe angewiesen sein. Der deutsche Pflegegrad ist ein wichtiges Stück Sicherheit, auch in der Ferne. Es ist komplex, Ansprüche, Leistungen und Unterstützung über Ländergrenzen hinweg zu verstehen und zu organisieren. Wenn du bereits einen Pflegegrad in Deutschland hast und nach Lanzarote auswanderst, solltest du vorher wichtige Dinge abklären: Wird das Pflegegeld auf Lanzarote weiter gezahlt? Welche Leistungen der deutschen Pflegeversicherung bleiben bestehen und welche entfallen? Es ist entscheidend, frühzeitig Klarheit über Ansprüche, Organisation und Kosten der Pflege auf Lanzarote zu haben. Hierbei ist die Grundvoraussetzung, dass du weiterhin in Deutschland krankenversichert bist. Sei es als Rentner oder als freiwillig Versicherter. 

Allgemeines zum Pflegegrad

Du hast in Deutschland einen Antrag gestellt und bist in einem Pflegegrad eingestuft, dann stehen dir viele Leistungen zu.

Deutschland:

  • Pflegegeld
  • Pflegesachleistungen 
  • Verhinderungspflege
  • Entlastungsbetrag 
  • Pflegehilfsmittel
  • Hausnotruf
  • Tages- und Nachtpflege
  • Wohnraumanpassung
  • Beratungseinsatz
  • Pflegeperson

Was steht dir davon auf Lanzarote zu?

Die vorherstehende Liste ist eine Auswahl an Leistungen, die dir von deiner Pflegekasse in Deutschland zustehen. Auf Lanzarote sieht das anders aus. Im gesamten europäischen Ausland steht dir ein Bruchteil der Leistungen der deutschen Pflegeversicherung zu:

Lanzarote / Europäisches Ausland:

  • Das Pflegegeld
  • Die Verhinderungspflege
  • Der Beratungseinsatz
  • Die Pflegeperson

Die Sachleistungen, der Entlastungsbetrag, die Pflegehilfsmittel, der Hausnotruf, die Tages- und Nachtpflege und die Wohnraumanpassung fallen im Ausland weg. Das sollte dir, bevor du nach Lanzarote auswanderst, bewusst sein. Du tauscht gutes Wetter und mehr Lebensqualität gegen finanzielle Einbußen
Dein Pflegegeld wird dir weiterhin von der Pflegekasse ausgezahlt, auch auf ein spanisches Bankkonto. 
Die Verhinderungspflege kannst du mit bis zu 3.539 € pro Jahr abrechnen, wenn die Ersatzpflegeperson nicht mit dir bis zum 2. Grad verwandt ist (z.B. Bekannte, Nachbarn). Bei Verwandten bis zum 2. Grad (z.B. Kinder, Geschwister) kannst du (nur) das doppelte deines Pflegegeldes abrechnen. 
Der Beratungseinsatz darf ausschließlich von zertifizierten Anbietern durchgeführt und abgerechnet werden. Auf Lanzarote wäre das z.B. Carmen Krechel, von CarePoint Carmen. Zur Zeit belaufen sich die Kosten auf 65 € pro Einsatz. Diese Gebühr wird dir, sobald du die Rechnung eingereicht hast, von deiner Pflegekasse umgehend erstattet. 
Wenn deine Pflegeperson die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und weniger als 30 Stunden in der Woche arbeitet, zahlt deine Pflegekasse für sie Rentenbeiträge in die deutsche Rentenversicherung ein.

Pflegegrad beantragen auf Lanzarote

Du bist nach Lanzarote ausgewandert, als du noch jünger und fitter warst. Im Laufe deines Lebens kommen mit großer Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Baustellen auf dich zu. Wenn sich dein gesundheitlicher Status verschlechtert, solltest du so früh wie möglich einen Erstantrag auf Einstufung deines Pflegegrades stellen. Dafür ist es wichtig, dass du weiterhin in Deutschland versichert bist und bleibst. Das solltest du berücksichtigen, wenn du über eine private Krankenversicherung auf Lanzarote nachdenkst. Diese sind hier auf den ersten Blick äußerst günstig können sich aber später als echte Kostenfalle entpuppen. Du stellst bei deiner deutschen Krankenkasse einen Erstantrag auf Pflegegradeinstufung. Daraufhin wirst durch den medizinischen Dienst oder einen Gutachter begutachtet. Einige Pflegekassen führen die Begutachtung durch den medizinischen Dienst telefonisch durch. Andere Kassen schicken einen Gutachter, der zu dir nach Hause kommt, und die Begutachtung persönlich durchführt. Einer dieser Gutachter hat seinen Sitz auf Gran Canaria und koordiniert mit dir einen Termin. Dabei wirst du nach einem Punktesystem bewertet. Wenn die Summe der Punkte in den einzelnen Modulen einen gewissen Wert erreicht, wirst du in einen Pflegegrad eingestuft. Jetzt stehen dir, wie oben beschrieben, die eingeschränkten Leistungen zur Verfügung. Sollte das Gutachten ergeben, dass du keinen Pflegegrad erhälst, kannst du Widerspruch einlegen. Reiche den Widerspruch rechtzeitig und detailliert ein. Da du auf Lanzarote lebst, hast du dafür drei Monate Zeit. 

Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Um in einen Pflegegrad  eingestuft zu werden, musst du bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst oder den Gutachter viele Fragen beantworten.

Das Gutachten ist in sechs Module unterteilt:

  • Mobilität
  • kognitive/kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen
  • Selbstversorgung
  • Krankheitsbedingte Anforderungen 
  • Alltagsgestaltung

Anhand eines umfangreichen Frage­nkatalogs vergibt der Gut­achter Einzel­punkte pro Modul. Die einzelnen Module werden unter­schiedlich gewichtet und am Ende zu einer Gesamt-Punkt­zahl addiert. Nicht nur der Zeitaufwand für Tätigkeiten, sondern auch das Ausmaß der Selbstständigkeit wird bewertet. Jeder Pflegegrad hat unterschiedliche Punkteanforderungen: 

Pflegegrad 1Geringe Beeinträchtigung12,5 bis unter 27 Punkte 
Pflegegrad 2Erhebliche Beeinträchtigung27 bis unter 47,5 Punkte 
Pflegegrad 3Schwere Beeinträchtigung47,5 bis unter 70 Punkte 
Pflegegrad 4Schwerste Beeinträchtigung 70 bis unter 90 Punkte
Pflegegrad 5Schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen90 bis 100 Punkte 

Pflegegraderhöhung beantragen auf Lanzarote

Sollte der Fall eintreten, dass sich deine Pflegebedürftigkeit ändert, weil sich dein Gesundheitszustand verschlechtert, stelle bei deiner Pflegekasse (in der Regel ist das deine Krankenkasse) einen Antrag auf Pflegegraderhöhung. In der Regel bieten die Pflegekassen auf ihren Homepages entsprechende Formulare zum Download an. Den Antrag füllst du aus und unterschreibst ihn. Um das Ganze zu beschleunigen, lege deine Arztberichte bei. Diese kannst du, wenn du im Besitz des digitalen Zertifikates (certificado digital) bist, hier einsehen und downloaden: https://www3.gobiernodecanarias.org/dragoweb/, unter dem Punkt „Otros – Otros Informes“. Ergibt die Einschätzung des medizinischen Dienstes oder des Gutachters, dass Gründe zur Pflegegraderhöhung vorliegen, erhälst du einen positiven Bescheid mit dem Gutachten. Die Erhöhung steht dir ab dem Datum der Antragstellung zu. Die Pflegekasse ist verpflichtet, deinen Antrag innerhalb von fünf Wochen (25 Arbeitstage) zu entscheiden. Geht aus dem Gutachten hervor, dass keine ausreichenden Gründe zur Pflegegraderhöhung vorliegen, erhälst du einen negativen Bescheid. Lege gegen diesen innerhalb von drei Monaten (weil du im Ausland lebst, ansonsten beträgt die Frist einen Monat) Widerspruch ein. Gehe auf jeden Punkt in jedem Modul, bei dem du anderer Meinung bist, detailliert ein. Lehnt die Pflegekasse wiederholt deine Höherstufung ab, hast du die Möglichkeit, Klage beim Sozialgericht einzureichen. Dieses Klageverfahren ist für dich in der ersten Instanz kostenlos.
Legt dir die Pflegekasse nahe, deinen Widerspruch zurückzunehmen und einen neuen Antrag zu stellen, gehe keinesfalls darauf ein. Die Höherstufung steht dir ab dem Datum der Antragstellung zu. Das gilt ebenfalls, wenn das Verfahren beim Sozialgericht läuft. Nimmst du deinen Widerspruch zurück und stellst einen neuen Antrag, verzichtest du auf jede Menge Geld, da dann das Datum des neuen Antrags gilt. 

Noch ein paar Tipps für Lanzarote am Rande

Das Thema Pflege ist ein sehr komplexes Thema. Suche Kontakt zu Betroffenen. Frage Freunde und Bekannte. Dieses Netzwerk wird dich unterstützen und hilft dir mit Sicherheit gerne. Der Austausch untereinander ist Gold wert. Behalte auf jeden Fall im Auge, dass sich dein Gesundheitszustand jederzeit verschlechtern kann. Überlege dir, wie du damit umgehst. Halte frühzeitig Ausschau nach Pflegekräften und sozialen Angeboten in deiner Gemeinde (municipio). Schaue dir frühzeitig Pflegeeinrichtungen auf Lanzarote an. Überlege dir den „Worst Case“. Was kann dir schlimmstenfalls passieren? Vielleicht macht es in manchen Situationen Sinn, zurück nach Deutschland zu gehen?
Das spanische System bietet ebenfalls Hilfen an, zu denen du besseren Zugang hast, wenn du die residencia permanente besitzt und ordnungsgemäß angemeldet bist. Erkundige dich frühzeitig und stelle früh genug alle Anträge. Sei ehrlich zu dir und entscheide, was für DICH am besten ist. 


Kommentare

One response to “Pflegegrad im Ausland – Das musst du auf Lanzarote beachten”

  1. Hallo ! Ich bin die Mutter von Susanne ! Wir werden alle älter und können dann so einige Dinge nicht mehr wie früher! Man sollte sich rechtzeitig um alles kümmern! Es kommt keiner der dich an die Hand nimmt und sagt ich mache alles ! Es ist in Deutschland auch so ! Man muss sich schon melden ! Wir sind sehr zufrieden was Susanne alles für uns schon Erreicht hat ! Mein Mann ist schwer an Demenz Erkrankt ! Er geht dreimal in der Woche zur Tagespflege von 8,30 bis 18,30 Uhr ! Es ist für mich auch eine Erleichterung! Ich bin auch nicht mehr die Jüngste! Habe auch meine Wehwehchen ! Bin froh das es auf Lanzarote das alles gibt ! Wir haben einen Behinderten Parkplatz vor unsere Haustür! Für den Karl und für mich ist es eine Erleichterung ! Also ich will nur sagen man muss sich drum kümmern! Auch auf Lanzarote bekommt man so einiges! Ich möchte mich noch mal bei den Kindern bedanken das sie das alles für uns machen ! Wenn wir in Deutschland geblieben wären dann müsste man auch andere Leute in Anspruch nehmen! Oder hätte einen Betreuer ! Kümmert euch frühgenung um euer Leben ! Jutta und Karl !

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